Ich habe eine Meise......


 

Nun ja, die Ausage dieser Überschrift könnte auch als ein Bekenntnis zu meinem Geisteszustand stehen. Im speziellen Fall ist es aber nur falsch ausgedrückt. Es muss richtig heißen: Ich habe eine Kohlmeise auf unserer Terasse zu Besuch (was nun auch wieder keine Entlastung zu ersten Zeile dieser Geschichte sein muss, aber dass soll zunächst hier auch nicht erörtert werden - bitte).

 

Jetzt nochmals zur Meise: Es handelt sich um einen Vogel, der durch einen Unfall ein Bein verloren hat und seit einem Jahr von mir Futter erhält. An diese Ration von Walnusskernen ( ja, die mag er sehr) hat er sich gewöhnt und fordert sie auch regelmäßig ein. Eigentlich ist es so, dass er mich erfolgreich dressiert hat: Er braucht nur zu sehen, ob jemand zu Hause ist (was er durch Beobachtung sehr gut feststellt) und dann am Fenster auf und ab zu flattern und schon springe ich auf um ihm seine Nuss nach draußen zu geben. Meine Frau unterstützt ihn bei seinen Dressurübungen an mir, denn wenn sie ihn entdeckt, ruft sie auch gleich: „Herr Einbein will sein Nüsschen!“. Es ist schon so, dass man so ein Tierchen ins Herz schließt und sich über jeden Besuch freut. Auch wenn ich draußen auf der Terasse am Arbeiten bin, kommt er manchmal vorbei und flattert vor mir hin und her (sein Fluchtabstand ist im Laufe der Zeit auf unter einen Meter gesunken).

 

Gelegentlich hat Herr Einbein (er hat sich über diesen Namen bisher nicht beschwert) auch mal Freunde dabei. Zum Beispiel eine andere Kohlmeise (Herr Zweibein – logisch, oder?) und eine kleine Blaumeise („der Verwandte“). So leben wir nun schon seit gut einem Jahr in Harmonie zusammen.

 

Für diesen Winter planen wir nun eine längere Reise in den Süden und machen uns große Sorgen um Herrn Einbein. Ich dachte mir deshalb, dass ich ihn an „artgerechte“ Nahrung gewöhne – also an Meisenknödel (gibt es zur Zeit schon im Supermarkt zu kaufen). Einige davon habe ich an verschiedene Äste meiner Terrassenbäume gehängt. Am nächsten morgen war dann wirklich was los: Jede Menge „Zweibeine“, „Verwandte“ und sonstige Vögel waren da. Ganz offensichtlich wurden diese Nahrungsquellen schnell endeckt und die Nachricht darüber hat sich in der benachbarten Vogelwelt auch sehr schnell „herumgezwitschert“. Neben Kohl- und Blaumeisen, einem Amselpärchen, einigen Grünlingen, und einem Rotschwanz sind es vor allen Dingen Spatzen, die überfallartig auf der Terasse auftauchen.

 

Die Spatzen schaffen es, dass ein Meisenknödel innerhalb kürzester Zeit weggepickt wird. Ich dachte mir, so kann das eigentlich nicht sein und habe mal mit dieser Gesellschaft ein ernstes Gespräch geführt: Ich habe darauf hingewisen, dass es sich hier eindeutig um einen „Meisenknödel“ und nicht etwa um einen „Spatzenknödel“ handelt! Da baut sich doch tatsächlich der Anführer dieser Truppe vor mir auf und entgegnet, dass sie auch gar keine Spatzen seien, sondern Meisen mit Migrationshintergrund!!!!!! Da war ich platt – so hatte ich das nicht erwartet.

 

Jetzt denke ich ernsthaft über die laufenden Diskussionen unserer Politiker zu dem Thema „Migration“ nach. Wieso behauptet unsere Kanzlerin, dass „Multikulti“ tot ist. Soll sie doch mal zu mir auf die Terasse kommen! Solange für alle das gleiche Futter zur Verfügung steht, klappt das prima mit der Migration und dem Zusammenleben der unterschiedlichen Figuren und Kulturen.

 

Na ja, wenn ich diesen Brief der Bundeskanzlerin schicken würde, bekäme ich doch bloß einen Stempel aufgedrückt: Der hat ja eine Meise...........